Kinderhaus Im Tännich & Kinderkrippe am Ostalb-Klinikum

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte des Ortsvereins

Ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der damalige Geschäftsführer des Metallarbeiterverbands und Stadtrat, Karl Mikeler, den Ortsverein. Erster Vorsitzender wurde der Schriftsetzer i.R. Abele. Ausländische Hilfsorganisationen hatten begonnen, Lebensmittel und gebrauchte Kleidungsstücke zu schicken, die dann durch die Kirchen und Wohlfahrtsorganisationen verteilt wurden. Die Kleider mußten ausgebessert, oftmals auch geändert werden und so wurde, wie in vielen Städten, auch in Aalen von der AWO eine Nähstube in der Mittelbachstraße eingerichtet. Auch in einem Auffanglager für Heimatvertriebene in Wasseralfingen wurde dann eine solche Nähstube betrieben.

Im September 1948 wurde Schwester Hedwig Zirn eingestellt, welche über 10 Jahre lang für die Arbeiterwohlfahrt tätig war. Oberwerkmeister i.R. Karl Litzenmayer wurde 1949 zum Vorsitzenden gewählt und war dies bis Juni 1965. Schwester Hedwig fungierte als Geschäftsführerin. Die Nähstube in der Mittelbachstraße gab sie auf, führte jedoch in Wasseralfingen Näh- und Zuschneidekurse durch, organisierte Ferienaufenthalte für Kinder, Müttergenesungskuren, Altenfeiern, besuchte und betreute alte Menschen. Als der Ortsverein im Jahre 1952 in die Bahnhofstraße in das „Braune Haus“ (abgerissen wegen des Baus des Omnibusbahnhofs) umzog, begann Schwester Hedwig mit Spiel- und Bastelnachmittagen für Kinder, was bald Schwerpunkt ihrer Arbeit wurde. Ihr Motto war: Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts (Pestalozzi).

Karl Litzenmayer gab 1965 im Alter von 85 Jahren sein Amt ab und der neue Vorsitzende wurde Stadtrat Karl Huber. Nach dem Ausscheiden von Schwester Hedwig im Jahre 1971 ist die Kreisrätin Helene Schäffauer bei der Aalener Arbeiterwohlfahrt tätig geworden. Im April wurde sie auch Vorsitzende. Frau Schäffauer war eine überaus aktive Persönlichkeit und es war ihre Idee, in Aalen eine Ganztagesstätte für Kinder zu errichten, was sie dann auch mit viel Überzeugungskraft und noch mehr Energie durchsetzte. Es wurden regelmäßige Altennachmittage eingeführt, Besuche in den städtischen Altenheimen gehörten zum Jahreskreis, Kinder- und Müttererholungsmaßnahmen wurden weitergeführt. Diese Aktivitäten wurden möglich durch die Einstellung einer hauptamtlichen Halbtagskraft. Es war dies die bereits langjährig ehrenamtlich tätige Mitarbeiterin Lore Apprich.

Als Frau Schäffauer im Jahr 1979 den Vorsitz aufgab, weil sie aus gesundheitlichen Gründen aus Aalen wegzog, hinterließ sie im Ortsverein eine gut funktionierende Einrichtung, die sich in vielen sozialen Bereichen engagiert hatte. 1980 übernahm den Vorsitz Wilhelm Frick. Nach seiner Pensionierung als Leiter des Kreissozialamtes ließ er sich in den ehrenamtlichen Dienst stellen und mit seiner großen Erfahrung war er erfolgreich, die bis dahin begonnenen Aktivitäten weiterzuführen bzw. auszubauen. Im März 1985 schied Lore Apprich aus gesundheitlichen Gründen als Geschäftsführerin aus, Nachfolgerin wurde Lore Zoller.

Im April 1987 übernahm Stadtrat Albrecht Schmid den Vorsitz. Aufgrund räumlicher Enge im Kindertagheim (Ursprünglicher Name) war er schon am Beginn mit der Aufgabe konfrontiert, das Kindertagheim im Tännich durch einen Neubau zu erweitern, so dass sich dann 6 Gruppen entfalten konnten. 1988 konnte dann der Neubau in Betrieb genommen werden. Im Zuge dieser Baumaßnahme wurden die Außenanlagen neu gestaltet. Im Januar 1990 wurde nach längerer Suche ein neuer Tagheimleiter gefunden:

Herr Jürgen Nürnberg. Dieser leitete die Geschicke des Tagheims bis August 2015. 1992 wurde auch der Küchentrakt mit dem Eingangsbereich erweitert und neu gestaltet. 1996 wurden im Tagheim inhaltliche Strukturveränderungen vorgenommen; aus 3 Hort- und 3 Kindergartengruppen wurden zunächst 1 Hortgruppe für Kinder von 6 bis12 Jahren und 5 altersgemischte Gruppen für Kinder von 3 bis 10 Jahren. Bereits 1 Jahr später konnte aufgrund der Nachfrage eine weitere Hortgruppe installiert werden. Nun konnten 140 Kinder in 7 Gruppen betreut werden und zwar in 3 Hortgruppen (6 bis 14 Jahre, statt bisher 12 Jahre) und 4 altersgemischten Gruppen (3 bis 10 Jahre). Einige Jahre wurde so im Tagheim „geschafft“. Allerdings zeichnete sich bereits 1999 ab, dass Gruppen für Kinder unter drei Jahre (U3-Gruppen) immer dringlicher wurden. Nach langem Drängen der AWO konnte im September 2004 dann endlich eine U3-Gruppe auch im Tagheim installiert werden. es konnten dann 130 Kinder ganztags betreut werden und zwar in 7 Gruppen. Davon sind zwei für Kinder von 1 bis 6 Jahre, drei altersgemischte Gruppen für Kinder von 3 bis 10 Jahre und zwei Hortgruppen für Kinder von 6 bis 14 Jahre. Durch den neuen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige wurde in Aalen sehr viel auf den Weg gebracht. Die Stadt Aalen projektierte 2012 2 Krippengruppen am Ostalbklinikum und bot die Trägerschaft der AWO an. Da die 2 Krippengruppen nur ca. 300m entfernt liegen und die AWO die Übernahme der Dreijährigen in das Tagheim garantieren konnte, konnte ab Oktober 2012 die neue Einrichtung unter Führung der AWO starten. In diesem Zuge wurden die Häuser neu benannt: Aus dem Kindertagheim wurde das „Kinderhaus im Tännich“ und die neue Einrichtung wurde „Kinderkrippe am Ostalbklinikum“ benannt.

Die Tätigkeit im Ortsverein wurde ebenfalls kontinuierlich fortgesetzt. Neben den Kindererholungsmaßnahmen und mehreren Seniorenfreizeiten fanden jeden Monat im Rettungszentrum ein Seniorennachmittag statt, der sich großer Beliebtheit erfreute. Zum Angebot gehörten Halbtagesausflüge, sowie die Betreuung der älteren Mitglieder. Ebenso wirkt der Ortsverein mit den Kirchen im Vorstand des Nachbarschaftszentrums Rötenberg mit. Nachdem Frau Zoller nach langer und erfolgreicher Arbeit aus gesundheitlichen Gründen die Geschäftsführung aufgab, konnte Frau Doris Müller als neue Geschäftsführerin ab Sommer 2002 gewonnen werden. Die Kindererholungsmaßnahmen wurden eingestellt, da der allgemeine Zuspruch immer geringer wurde und der Anteil der hoch erziehungsschwierigen Kinder immer höher wurde und der Sinn und Zweck der Maßnahme nicht mehr erfüllt werden konnte. Aus Kostengründen wurde auch die Anzahl der Seniorennachmittage reduziert. Frau Müller nahm Ende 2004 aus privaten Gründen Abschied von der Geschäftsstelle, leitete aber die Seniorennachmittage bis Ende 2005 weiter. Frau Heidi Matzik übernahm ab 2006 die Geschäftsstelle und Frau Kurz die Gestaltung der Seniorennachmittage ab 2005.

Nach neunjähriger ehrenamtlicher und erfolgreicher Arbeit gab Herr Schmid im Dezember 1996 sein Amt als Vorsitzender ab, ist aber weiter aktiv im Vorstand des Ortsvereins tätig. Als erster Vorsitzender des Ortsvereins konnte der Landtagsvizepräsident a.D., Herr Dr. Alfred Geisel gewonnen werden, der bis Mitte 2005 die Geschicke des Vereins in der Tradition der Vorgänger leitete. Ab dem 28. Juni 2005 war Frau Marietta Hageney die erste Vorsitzende des Ortsvereins der AWO. Vielen bekannt ist sie durch die mittlerweile sehr gut etablierte „Kochschule Hageney“ im alten Postgebäude am Bahnhof. Als „Powerfrau“ erster Güte konnte sie viele Impulse in die Arbeit des Ortsvereins geben

Seit 2012 ist Frau Heidi Schroedter erste Vorsitzende. Als langjähriges Mitglied im Gemeinde- und Kreisrat ist sie sehr gut vernetzt und setzt nun ihre eigenen Akzente und ist eine ausgezeichnete Verstärkung der Arbeiterwohlfahrt.

Der Aalener Ortsverein hat heute über 200 Mitglieder. Trotz der herrschenden Tendenz zur Professionalisierung und Bürokratisierung im Sozialbereich lebt bis heute das ehrenamtliche Engagement im Ortsverein, was eine gute Grundlage für ein dauerhaftes Fortbestehen der AWO in Aalen sein dürfte.